Fetzen

Ich folge diesen Straßen nun seit einiger Zeit
meistens geh‘ ich alleine, manchmal sind wir zu zweit
Und wir reden über
belangloses Zeug
Und ich höre Musik,
die in der Zeit verrinnt
und die zeitgleich keiner CD entspringt

In jedem Gesicht seh‘ ich die gleiche Frage,
wo komm‘ ich her, wo geh‘ ich hin
Wer bin ich dieser Tage
in denen ich nicht sage:
Ich bin, wer ich bin
Es gibt so vieles zu sehen,
man glaubt, wir haben so viel geschafft

Und wir laufen
über das Kopfsteinpflaster dieser Stadt

Auf der Suche nach… ja, was?
Zwischen Wandplakaten und Werbebuntglas
Ich hab‘ nur vier Haltestellen und ein Versprechen
die Zeit zu nutzen, um dich anzusprechen
Doch ich verbringe meine Zeit damit
mich im Licht des Fensters dort zu brechen
Und leise streicht der Regen über’s Fensterkitt

Stehen meine Gedanken erst still
steig‘ ich aus, wo ich will
Und nehm‘ die nächste Bahn
hinaus in die Welt und raus aus dem Wahn
Mich zu fragen, ob es Sinn macht,
zu fragen, ob man träumt oder wacht

Und wir laufen
über das Kopfsteinpflaster dieser Stadt
Und jeder Atemzug
spricht von Vergangenheit
In dieser Stadt

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Farben der Nacht

Ich hatte gestern die Gelegenheit, mal wieder einem sehr schönen Feuerwerk beizuwohnen… Es gibt gewisse Dinge, die mich immer wieder daran faszinieren. Ich bin ein Mensch, der bei solchen Gelegenheiten schnell dazu neigt, sentimental zu werden. Und das nicht nur (aber sicherlich auch), weil Feuerwerk so häufig dazu verwendet wird, das Vergangene zu verabschieden. Ich bekomme immer ein Gefühl davon, wie sich Ewigkeit anfühlen muss, wenn ich das Farbenspiel aus Feuer und Rauch am nachthimmel betrachte. Stille, nur durchbrochen vom Klang der Explosion der Raketen. Was so befremdlich, oft bedrohlich wirkt, entwickelt sich zur musikalischen Untermalung des Schauspiels. Finsternis der Nacht, nur durchbrochen von den kurz auflebenden Funken, die in unserem Auge am Horizont noch lange Bilder nachzeichnen, obschon sie bereits vergangen. Das Rotieren der Welt, nur durchbrochen von dem einen Moment, in dem alle Menschen um dich herum nach oben schauen. Und dann wieder Stille. Während über dir ein Universum des Augenblicks geboren wird.
Das Schöne ist eigentlich wirklich, nicht nur nach oben, sondern gleichsam in die Gesichter der menschen zu schauen, die immer kurzzeitig erhellt werden. Eigentlich ist das einer der ehrlichsten Momente im Leben überhaupt. Was ein jeder denkt, was jeden in diesem Augenblick beschäftigt, erfreut, bekümmert spiegelt sich im Feuerschein der Nova. Wir sind so viele, die diesen Moment teilen, und doch steht jeder für sich allein. I’m in the crowd, yet I’m still alone. Denn jeder nimmt ein Feuerwerk anders wahr. Wer weiß schon, an was wir dabei denken mögen? Vergangenes, Gegenwärtiges, Zukünftiges? Ich habe oft bemerkt, wie sich das Licht am Himmel in Tränen bricht. Urteilsfrei. Die Emotion gehört in diesem Moment, für den vergänglichen Hauch von Funke und Rauch, dem Firmament. Ich glaube oft, dass das Feuer dort oben Träume gebiert. Eine kleine, kosmische Illusion einer Galaxie, die Hoffnung eines großen gemeinsamen Ganzen, eine Wiedervereinigung des Jetzt und Dahinter. In diesem Augenblick lernst du, dass du keine Angst haben musst. Man muss nur genau hinsehen.
Die Emotion gehört dem Nachthimmel, nicht jenen, die uns umgeben. Sie ist, wie und was sie ist. Sie ist vergänglich und brennt aus. Sie ist ewig.

Das Prometheus-Paradoxon

„Wissen ist Macht“. Aber was macht Wissen (mit uns)? Ich habe vor Kurzem eine Grundsatzdiskussion mit meinem Mitbewohner geführt. Dürfen wir alles wissen? Was dürfen wir wissen, was können wir wissen?
„Wissen ist Macht“, aber haben wir die Macht, zu wissen?

Wir alle können mit relativer Gewissheit sagen, dass es Dinge gibt, die wir nicht wissen. Darunter sind auch solche, die wir wohl niemals verstehen werden. Abgesehen von den großen Fragen unserer Existenz, des Universums und philosophischer Ansichten gibt es jene Dinge, die wir nicht einmal kennen und die sich somit jeglichen Bemühens um Aufklärung entziehen. Das große Unbekannte und Unsichtbare, bekannt aus der Frage: Wenn im Wald ein Baum umgefallen ist, ohne dass es jemand bemerkt hat, ist er dann tatsächlich umgefallen? Eigentlich ist die Antwort eindeutig: Natürlich ist er umgefallen. Aber übertragen auf die Dinge, die wir nicht bemerken, niemals bemerken, bedeutet das, dass es Bereiche gibt, die uns verborgen bleiben, wenn wir keinen Zugang zu ihnen enthalten. Sämtliches Wissen dieser Welt strandet dort auf dem Trockenen. Wie sollten wir Wissen anwenden, wenn es keinen Ansatzpunkt dafür gibt? Zukünftige, möglicherweise großartige Erkenntnis wird durch den ironischerweise so simplen Vorgang eines Versteckspiels aus den Angeln gehoben. Wir werden niemals etwas wissen, was wir nicht bemerken, und zwar aus dem einfach Grund, als dass wir nicht von einer Notwendigkeit dieses Wissens sprechen können. Was ich nicht sehe, untersuche ich nicht.

Ist nun aber Wissen gefährlich? Ganz davon abgesehen, dass es natürlich Geheimnisse gibt, die geheimnistragende Personen nicht auf dem Papier und in den Gedanken der nicht so ganz geheimnisträchtigen „Uneingeweihten“ wissen wollen, stelle ich diese Frage im Hinblick auf unsere Fähigkeit, mit Wissen umzugehen. Wenn wir die Möglichkeit hätten, bestimmtes Wissen zu nutzen, von dem der Mensch selbst sagt, dass es nicht in Menschenhände gehört, würden wir dann überhaupt imstande sein, es nicht zu nutzen? Darin liegt eine paradoxe Situation. Wenn es Wissen gibt, von dem wir sagen: „Nein, dazu ist der Mensch nicht bestimmt“, warum ist es uns dann auf der anderen Seite dennoch als Möglichkeit gegeben? Wenn es nicht vom Menschen kommt, wenn es sich seinem Verständnis entzieht, warum wird es ihm so bereitwillig in die Hände gespielt?
Wissen birgt die Gefahr des Kontrollverlustes. Die menschliche Neugier treibt uns hoch hinaus in den Himmel, dereinst vielleicht sogar bis weit ins All hinein, und führt uns dennoch in die ungeahntesten Abgründe und Tiefen des Verständnisses des eigenen Selbst. Ein jedes Wissen, von dem wir glauben, dass wir eigentlich nicht dafür bestimmt sind, zerschießt unser Spiegelbild in einem weiteren, gigantischen Kaleidoskop-Effekt. Vermessen und Vergessen wird zur wahren Macht des Wissens, das eine Sucht auf den Geist ausübt und den Körper gleichsam seiner Weltlichkeit beraubt.

A Time eternal.

Time doesn’t matter. Life does.

Zeit hat keine Bedeutung mehr für mich. Es ist unglaublich, wie schnell gedanklich alles aus den Fugen zu gleiten scheint, wenn man versucht, die Dinge zeitlich ein- und zuzuordnen. Dabei ist es interessant, dass Zeit uns eigentlich immer nur rückblickend gewahr wird. Wer kann schon erkennen, was Zukunft ist? Vergangenheit… Auch nur ein Begriff für gel(i)ebte Erinnerung.
Zeit begegnet uns nicht chronologisch; Zeitempfinden ist ein anachronistischer Prozess reflexiven Denkens, der nicht statisch, sondern in stetem Wandel begriffen ist. Dazu bedarf es der Fixpunkte vorübergehender Lebenssituationen. Zeit ist nicht epochal.
Zeit wird gemessen an Personen, Gegenständen, Musik, Wahrnehmungen, Ereignissen, Gefühlen, Gedanken… Sie alle bilden das Konstrukt der Erkenntnis, über die wir sagen können: „Ja, ganz genau, das ist in diesem Moment passiert. So war das damals, dort war ich. So habe ich empfunden.“ Die Uhr, die wir am Handgelenk tragen, dient uns lediglich dazu, die Dinge, die wir tun, einem festen Plan zuzuordnen. Die Zeiger sind die Illusion einer Ordnung in einem Raum, der sich jeglichem menschlichen Einfluss und Verständnis entzieht. Wir werden uns nicht an leere Stunden erinnern. Wir werden uns an die Gesichter, die Menschen erinnern, die wir in dieser Stunde gesehen, die Musik, die wir in dieser Stunde gehört und die Emotionen, die wir empfunden haben, erinnern. Zeit ist nicht temporär. Zeit ist kausal.
Was sind schon Jahre und Jahrzehnte? Wie können wir auch nur Ansätze finden, überhaupt über so etwas wie Ewigkeit nachzudenken? Leben kennt keine Minuten. Und Zeit ist nicht von Bedeutung.

Wiederkehr der Stille

Heute in den Tiefen der Wälder meiner Kindheit gewesen. Vieles hat sich verändert. Viele Wege sind verschwunden, überwuchert von Moos und den hölzernen Ruinen, die der letzte Sturm hinterlassen hat. Meine Füße haben diesen Wald schon gespürt, als ich noch an der Hand meines Großvaters durch ihn hindurch gegangen bin.
Jedes Mal, wenn ich diesen Wald betrete, erlebe ich eine Wiedergeburt der Stille. Ich kenne keinen anderen Ort, an dem ich so sehr mit mir selbst und mit meinen Gedanken konfrontiert werde. Ich höre nur meine Schritte, die immer leiser werdenden Geräusche der nahen Autobahn, die Vögel und den Wind in den Bäumen. Alles lebt und atmet. Wer einmal seine Hand auf die Rinde einer alten Eiche oder Tanne gelegt hat, weiß das. Es ist eine andere Welt, die mich immer wieder aus der Hektik unserer Welt herausbremst. Wer einmal Teil dieses Friedens sein durfte, den zieht es immer dorthin zurück.
War auch an dem kleinen Waldfluss, an dem ich dich das erste Mal in meinen Armen gehalten habe. In dessen Wasser ich den herzförmigen Stein, den du mir geschenkt hattest, geworfen habe, nachdem du fort warst. Und ich habe mich gefragt, ob heutzutage wohl noch immer Kinder dort kleine Staudämme bauen, so wie wir das früher getan haben.

Geisterstadt

Wenn der Mond des nachts am Himmel steht,
die Seele der Sonne längst ihrer Wege geht,
Schweben Schatten hernieder von weiter Flur,
fassen Grund mit den Füßen aus Silberlicht nur
Und sie wandeln auf Pfaden, die sie einst schon beschritten,
bevor sie in eine andere Wirklichkeit glitten
Durch die Wälder, durch die Nacht,
wie getrieben von sehnsücht’ger Macht
Es sie zurück an Orte zieht, die einst so voller Leben,
doch die von der Welt längst aufgegeben

Und ich konnte meinen Augen kaum trauen,
wagte kaum Richtung Tale zu schauen,
Die Zeit schien zu weichen,
für Momente zu bleichen,
Und zu werden zu dem, was vergangen schon klang,
als die alte Glocke im Turm ihr Lied wieder sang
So geschah es im Mondlichte jener Nacht,
als die Geisterstadt zu neuem Leben erwacht

Und ich rannte und rannte, noch als ich erkannte,
dass drunten im Tale eine Laterne brannte
Auf den alten Pfaden hörte ich Stimmen,
altmodisch und begannen, wieder zu verschwimmen
Schemen kamen mir entgegen,
doch weiß ich nicht, wars nur der Regen?
Ich erreichte den Marktplatz und alles war leer,
hatte ich mich doch getäuscht so sehr?
Ich kehrte um, meine Hoffnung zunichte,
als ich bemerkte am Ortsschild ein einzelnes Lichte…

Und ich konnte meinen Augen kaum trauen,
wagte kaum Richtung Tale zu schauen,
Die Zeit schien zu weichen,
für Momente zu bleichen,
Und zu werden zu dem, was vergangen schon klang,
als die alte Glocke im Turm ihr Lied wieder sang
So geschah es im Mondlichte jener Nacht,
als die Geisterstadt zu neuem Leben erwacht

Und so folgten sie wieder
den Klängen ihrer Lieder,
verließen wieder diese Welt in jener Nacht,
als die Geisterstadt ein letztes Mal zum Leben erwacht

Lightspeed

 

 

 

 

 

Du schaust aus dem Fenster,
dein Lächeln der Welt
Im Moment deines Blickes
die Entscheidung schon gefällt
Ohne zu zögern
weiter nach vorn
Wir springen in den Regen
Hoffnung schon immer niemals verlor’n
Im Sturzflug nach unten
fallen wir Richtung Himmel
[Heaven is over]
Farben der Nova
[Come, break the sky]
sei du, sei frei
Snow is pure
ich lebe nur
Für einen Traum in dieser Nacht
wissend um der Freundschaft Macht
Ein Leben aus Glas
das rechte Maß
Niemals vergessen
wir waren besessen
Vom Sinn des Lebens Eitelkeit
niemals besonnen
Bis uns alles genommen,
in Wiederkehr die Sonne scheint
in Wiederkehr wir sind vereint
Vergeben
verzeihen
Erleben
gedeihen
[The Snow is pure]
und wir waren Brüder
[Come, break the sky]
nun sind wir frei
zu gehen
zu stehen
und in der Welt zu bestehen
Für einen Traum in dieser Nacht
wissend um die eigene Macht
Ein jeder schafft,
was das Leben zum Leben macht